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Think positiv

Fünf Tage.
Fünf Tage in denen ich mehr gelernt habe als in den letzten Fünf Jahren.
Fünf Tage in Utrecht die mir meine Augen öffneten.
Heimlich, still und leise machte ich mich am Montag der vergangener Woche mit meinem Mann auf die Reise nach Utrecht. Dort traf ich mich mit einem Mann, der behauptet mir helfen zu können. Dieser Mann war mir bekannt, ich habe ihn beobachtet, gestalked, in jedem soziale Netzwerk nach ihm gesucht und versucht zu verstehen was er tut. Er bietet einen Workshop an für Menschen mit fokalen Dystonien. Du weißt ich leide seit einiger Zeit an dieser beschissen Krankheit die keiner kennt, niemand heilen kann und niemand versteht.

Ein Workshop kostet viel Geld zuzüglich Reisekosten geht dabei eine Menge flöten. Das Geld was ich dafür ausgegeben habe wurde mir von einer Stiftung bereit gestellt (an dieser Stelle einen herzlichen Dank), mit dem Geld sollte ich etwas für meine Gesundheit tun, aber es gibt so gut wie keine Therapien die ich noch hätte versuchen können.
Einmal im Monat google ich nach Alternativen, und immer wieder landete ich auf der Seite von Dr. Joaquin Farias. Seine Website ist in Englisch und was da steht ist sprachlich verständlich, aber kaum vorstellbar. Er bietet eine Therapie ohne Medikamente an, ein Training mit dem Grundgedanken der Neuroplastizität. Jedem aus meinem Familen- und Bekanntenkreis dem ich die Seite zeigte, riet mir davon ab mich auf den Quacksalber einzulassen. In einer Gruppe von Betroffenen bei Facebook wurde mir mit dem gleichen Hintergedanken abgeraten, aber was tut man nicht alles wenn Frau eh keine Alternativen hat.

A-B-C

A – Geld ist verfügbar
B – Therapien-Angebot war auf diese eine beschränkt
C- Why not?

Also fragte ich spontan nach einer Session die gerade zufällig in Utrecht stattfand und bekam auch schon bald einen Platz nachdem ein andere Patient absprang.

Meine erste Session war unglaublich! Ich war dermaßen aufgeregt zu sehen ob ich hier einem Halsabschneider, oder irgendeinem Kräuter-Magier zum Opfer fiel. Als ich vor dem Raum im Kulturzentrum der Universität von Utrecht stand war mir ganz heiß, was nicht nur an den heißen Temperaturen lag.
Als der Raum aufging und ich vor dem Dr.Farias saß war die Aufregung ganz verflogen. Er strahlt etwas wirklich Beruhigendes und sympathisches aus. Er erklärte mir seinen Ansatz, seine Theorie zu dieser Krankheit welche anders ist, als diese in den Medizinbüchern. Seine Theorie macht für mich von Anfang an einfach mehr Sinn. Er ließ mich laufen, sah meine Defizite auf Anhieb, kniete sich zu Boden und macht sich zu schaffen während er mir auf Englisch mit spanischem Akzent so viele Infos zu der Krankheit gab, wie ich sie noch nie hörte. Er massierte dehnte und erklärte mir NEUROPLASTIZITÄT und das ist tatsächlich das Stichwort. Er wiederholte mehrmals in dieser einen Woche den Satz: “ it is not a miracle, it is science!“

Nach mehreren Übungen im Sitzen, im Stehen, und an der Wand bat er mich ein paar Schritte zu laufen. Nach drei hinkenden Versuchen ging ich einen geraden, normalen Schritt.
Während ich das schreibe steigen mir die Tränen auf. Ich kann kaum in Worte fassen wie sich das angefühlt hat, was ein Gefühl im mir aufkam so normal zu gehen wie ein Mensch, und aufrecht auf meinem Mann zuzulaufen, der die Kinnlade gar nicht mehr hoch bekam. Dann wurde mir erst klar was da vor sich geht. Ich war so voller Emotionen, Erinnerungen an Zeiten wo ich noch laufen konnte und Motivation, ich ging einfach weiter, und weiter es wurde flüssiger und ich hatte überhaupt keine schmerzen.
Um es vorweg zu nehmen. Es liegt noch ein langer Weg vor mir. Ich muss die Übungen täglich wiederholen und das Laufen von Grund auf wieder lernen damit mein Gehirn auf diese alten, neuen Informationen reagiert und diese speichert. Wie reden hier von eine Rehabilitation von mindestens einem Jahr bis ich ein flüssiges und spontanes Gangbild habe, aber ich habe Hoffnung und ich bin froh einen Schritt gewagt zu haben der auch hätte ins Leere laufen können. Positiv denken ist in diesem Zusammenhang ein tatsächlich wirkende Wissenschaft die mir hilft diese Krankheit zu überstehen. Think positive!

 

Dress – Monki (Size L)
Tights – Asos
Shoes – Zara
Bag – Old

 

25 Comments

  • Christina Dingens

    9. Juli 2015 at 8:31

    Liebe Mia, ich kann so gut verstehen wie es sich anfühlt Hilflos zu sein. Hilflos, weil es nichts gibt. Hilflos, weil man in seinem kranken Körper gefangen ist……Ich wünsche dir von ganzem Herzen, das dieser Ansatz dir helfen wird. Auch wenn es sprichwörtlich in kleinen Schritten voran geht. Bezieht er sich nur auf deine Krankheit oder hilft er auch bei anderen Krankheiten?

    Antworten
  • Caterina

    9. Juli 2015 at 8:31

    Es freut mich so unglaublich, dass dir Dr. Farias helfen konnte und sich die Befürchtungen deiner Freunde und Familie nicht bewahrheitet haben!!! Stehen noch weitere Sitzungen bei ihm an oder kannst du allein weiter arbeiten?

    Ich wünsch dir alles, alles Gute!!!!

    Antworten
  • Elli Weller

    9. Juli 2015 at 8:31

    Manchmal kommt die Schulmedizin einfach ein ihre Grenzen und dann muss man sich auch auf Dinge einlassen, die andere vielleicht belächeln. Ich drücke dir alle Daumen, dass dein Weg Erfolg haben wird und es dir helfen wird!

    Antworten
  • Mia

    9. Juli 2015 at 8:33

    Dear Priscila. Thank you for your comment and I am really happy to have readers from all over the World. Big greetings to brasil, hope to visit it in some day 🙂

    Antworten
  • Mia

    9. Juli 2015 at 8:37

    Danke Christina, es war tatsächlich etwas "Leere" in mir nachdem ich wusste woran ich erkrankt bin, und mir die Möglichkeiten aufgezählt wurden was ich dagegen tun könnte. "Niente, Null, Nada" war dann doch etwas zu heftig. Vielen Dank.
    Neuroplastizität hilft bei verschiedenen Krankheiten die mit dem Gehirn zu tun haben. (Parkinson, altsheimer…usw.) Wenn es dich noch weiter interessiert empfehle ich dir ein Video von Arte. Bei YT einfach " Neustart im Kopf" eingeben.

    Antworten
  • Mia

    9. Juli 2015 at 8:40

    Danke Caterina,
    4 Sitzungen hatte ich bei ihm, und diese sollten reichen um erst Mal allein zu arbeiten. Solange ich noch motiviert bin ist das auch kein Problem. Er bat mich mit ihm in Kontakt zu bleiben und über meinen Fortschritt zu berichten, solle mir aber erst Mal mind. 9 Monate Trainigszeit geben.

    Antworten
  • Mia

    9. Juli 2015 at 8:42

    Danke Elli! Das schlimme ist, es ist auch Schulmedizin, aber wen interessiert das wenn keiner damit Geld machen könnte. Im Grunde könnte jeder Physiotherapeut dieses Training mit mir machen, der Arzt mich nur darüber aufklären. Die Pharamindustrie verdient dadurch Null und was die für einen Einfluss haben ist ja allgemein bekannt.

    Antworten
  • inesliebt

    14. Juli 2015 at 11:00

    Ich freue mich so sehr für dich. Klasse, du schaffst das, da bin ich mir ganz sicher!

    Positiv denken kann wirklich alles bewirken 🙂

    Liebste Grüße und alles Liebe,

    Ines

    Antworten
  • Lourdes Gallardo

    14. Juli 2015 at 11:00

    Ich freu mich so für dich. Mir kamen fast die Tränen, als ich von deinen ersten geraden Schritten las, die du zu deinem Mann gegangen bist. Mach weiter so und ich hoffe, das die Krankheit im nächsten Jahr Vergangenheit ist.

    Antworten
  • Jennie Zaine

    14. Juli 2015 at 11:00

    Wow, toller Post! Ich musste fokalen Dystonien erstmal googeln, weil ich davon noch nie etwas gehört hatte. Ich freue mich für dich, dass du nun endlich eine wirksame Therapie gefunden hast und wünsche dir viel Durchhaltevermögen und Erfolg!
    Die Long-Bluse steht dir super! Ich mag die Kombi geld blau an dir!
    Liebe Grüße
    Jennie 🙂

    Antworten
  • Green Ribbon Plus

    14. Juli 2015 at 11:00

    Hallo Mia, eine sehr bewegende Geschichte. Ich finde es sehr mutig von dir,dass du nicht aufgegeben hast, sondern nach Auswegen suchst – sogar Auswege, von denen dir andere abraten. Ich wünsche dir viel Erfolg in deinem weiteren Weg! 🙂 Das Outfit ist übrigens der hammer!

    Antworten
  • helen

    16. Juli 2015 at 13:00

    Hallo Mia, eine sehr bewegende Geschichte. Ich finde es sehr mutig von dir,dass du nicht aufgegeben hast, sondern nach Auswegen suchst – sogar Auswege, von denen dir andere abraten.

    Antworten
  • claudia

    18. September 2015 at 9:12

    liebe mia!
    mir sind jetzt gerade die tränen gekommen beim lesen…
    ich freu mich so wahnsinnig und drück dir ganz fest die daumen, dass es auch weiter so positiv verläuft für dich!
    ich war übrigens gerade zum zweiten mal mit dem guillan-barré-syndrom im krankenhaus, auch so eine krankheit, die noch nicht richtig erforscht ist und kann mich deshalb vielleicht besonders gut in dich hineinfühlen.

    alles, alles gute und liebe!

    Antworten
  • Anonym

    18. September 2015 at 9:12

    Hi Mia,
    ich verfolge deinen Blog und dich auch auf Twitter und ich muss sagen, dass es mich unfassbar freut, dass du was gefunden hast, was dir wieder Hoffnung gibt und das du nie aufgehört hast, daran zu glauben.
    Deine Posts sind immer so lebhaft ich wünsche dir, dass du es packst und wieder ein Stück weit Normalität finden wirst. Du bist da für mich gerade ein wirkliches Vorbild was das positive Denken angeht.
    Ich wünsche Dir alles alles Gute von ganzem Herzen <3

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